Firmenbrief

19.10.2016

Firmenbrief 131/16


Liebe LeserInnen,

ein schöner Auftrag - 910.000 Euro hat die Berliner „Blockwart-App" einem Software-Hersteller gebracht. Hiermit können Bürger melden, wenn sie kaputte Strassenlampen oder Schlaglöcher entdecken. Eine feine Sache, aber die eigens entwickelte Software können andere Städte und Gemeinden nicht so ohne weiteres ebenfalls nutzen, denn der Code ist nicht Open Source.

Verschwendung von Steuergeldern nennt dies die Politologin und Aktivistin Katharina Nocun in einem Artikel auf Heise Online im Rahmen einer Veranstaltung der Free Software Foundation Europe (FSFE). Sie hat noch mehr Beispiele parat, die hochgerechnet den Steuerzahler enorme Summen kosten, wie die Rheinland-Pfälzische Katwarn-App, die zur Warnung bei Katastrophen eingesetzt wird.

Die FSFE ruft nun dazu auf, ähnliche Beispiele für Geldverschwendung zu melden, die durch öffentliche Ausschreibungen beschafft bzw. in Auftrag programmiert wurden. Ein Ziel ist es, so die Politik und Entscheider mit unabhängigen Informationen zu versorgen und den Einsatz von Open Source zu fördern.

Mit gutem Beispiel voran gehen jetzt die Niederlande, die offene Standards für die Verwaltung per Gesetz verbindlich festschreiben. Auch die russische Duma hat ein Gesetz in Vorbereitung, allerdings wird hier die bessere Sicherheit als Hauptgrund genannt. Die Erkenntnis, dass offene Standards sowohl bei der Sicherheit wie auch beim Kostensparen helfen können ist nicht neu, jedoch sind die Politiker auf Länder- und Bundesebene ebenso wie auf EU-Ebene den Einflüsterungen der Lobbyisten ausgesetzt. Auf eine Änderung dieser Mentalität ist kaum zu hoffen, so lange Posten nicht nach Qualifikation besetzt werden, wie EU-Digitalkommissar Oettinger immer wieder unter Beweis stellt. Wenn er beispielsweise „Netzneutralität" mit der Gefahr einer sozialistischen Unterwanderung verbindet, spricht dies wahrlich nicht für seine Fachkompetenz.  

Im heutigen Linux-Firmenbrief bekommen Sie natürlich wieder Informationen aus erster Hand über Lösungen auf Basis von Open Source. Der Digitalkommissar ist immer gut für unseren Witz zum Schluss.

Ihre

Sophie Bulian