Firmenbrief

24.05.2016

Firmenbrief 126/16


Liebe LeserInnen,

haben Sie auch schon mal eine Petition gestartet oder eine unterzeichnet? In Deutschland ist es dank der Kampagnenplattform change.org einfacher denn je, auf echte oder vermeintliche Missstände aufmerksam zu machen - das kann jede(r) mit ein paar Mausklicks.

Gute Sache, oder? Einen Negativpreis hat Change.org von Digitalcourage erhalten - bei den Big Brother Awards in der Kategorie Wirtschaft. Den Betreibern wird vorgeworfen, dass die Daten der Anwender inklusive deren politischer Einstellung gewinnbringend verkauft werden. Es handelt sich also keineswegs um eine Nonprofit-Organisation, auch wenn der deutsche Ableger auf seinen Webseiten versichert, sich „für das Gemeinwohl einzusetzen".

Ein weiterer Preisträger ist die Versicherung Generali, die den Versicherten Boni verspricht, wenn sie sich überwachen lassen. Als Arbeitgeber wird IBM mit dem Big Brother Award bedacht, deren firmeninternes „Social Dashboard" den Lesern des Circle sehr bekannt vorkommen dürfte: Es gibt Punkte für die soziale Vernetzung der Mitarbeiter. Auch Wissenschaftler zeigen nur geringes Unrechtsbewusstsein im Umgang mit Daten: Aktuell veröffentlichte eine Forschergruppe rund um den Niederländer Emil O.W. Kirkegaard Erkenntnisse über sexuelle Vorlieben, die sie aus Daten einer Partnervermittlung mittels eines Softwaretools abgegriffen haben. Sie rechtfertigen dies damit, dass diese öffentlich zugänglich wären - allerdings eigentlich nur für angemeldete, eingeloggte User. 

Der Verfassungsschutz übrigens wird mit einem eigenen Big Brother Award bedacht, tatsächlich zum ersten Mal, für sein „Lebenswerk".

All diese Datensammelei kann Ihnen das Leben natürlich erheblich erleichtern, wie wir Ihnen im Witz der Woche beweisen. Außerdem im heutigen Linux-Firmenbrief: Wie Sie testen können, ob Ihr eigenes WLAN gegen mißbräuchlichen Zugriff geschützt ist und weiter verbesserte Sicherheit mit Red Hat Enterprise Linux.

Ihre

Sophie Bulian