Firmenbrief

15.07.2015

Firmenbrief 116/2015


Liebe Leser,

Geheimdienstchef tritt nach Hackingangriff zurück - ja, auch das gibt es. In Zypern. Erhebliche politische Wellen schlägt der Angriff auf die vermeintlich „ethischen Hacker" der italienischen Software-Firma Hacking Team.

Das Unternehmen verkauft Spionage-Software und Sicherheitslücken; das so genannte „Remote Control System" ist der Verkaufsschlager. Wie der Name der Software vermuten lässt, können Rechner damit überwacht und ferngesteuert werden, begehrte Funktionalitäten bei manch einer Regierung und Polizeibehörde. Nun wurde die Firma selbst zum Opfer: Zahlreiche E-Mails wurden abgefischt und bei WikiLeaks können Interessierte nachlesen, dass auf der Kundenliste ebenso der Sudan steht wie Russland und westliche Behörden. Fast komisch erscheint es, wie der Hacking-Team-Mitarbeiter Christian Pozzi an die Hacker appelliert: „Please stop spreading false lies about the services we offer", schreibt er. „Falsche Lügen", also - die Wahrheit, wie die Doppelung vermuten lässt.

Für den zypriotischen Geheimdienstchef bedeutet dieses „Leak" nun den Rücktritt, denn mit dem Ankauf der Trojaner hat er gegen die dortigen Datenschutzbestimmungen verstoßen. Auch in der Schweiz schlägt die Aktion Wellen: Der Leiter der Kantonspolizei Zürich sieht sich nach der Buchung von Schulungen und Zweijahresverträgen unangenehmen Fragen ausgesetzt. Wie Debian-Verwalter Marco Ditri berichtet, haben sich auch die italienischen Carabinieri zweifelhafter Methoden bedient. Nachdem diese aufgrund eines früheren Angriffs die Kontrolle über die Trojaner verloren hatten, holten sie gemeinsam mit italienischen Service-Providern über das Border-Gateway-Protokoll die IP-Adressen kurzerhand zurück - ohne erst lästige Genehmigungen einzuholen.

Zwar hat diese Wikileaks-Aktion in den Medien längst nicht die Aufmerksamkeit wie die Snowden-Enthüllungen über NSA, BND und andere, aber die politischen Wellen schlagen hoch. Im Gegensatz zu den jüngsten Konsequenzen, die innerhalb kürzester Zeit zu beobachten sind, scheint die deutsche Politik alle Enthüllungen über Verstöße gegen Datenschutz durch Behörden aussitzen zu wollen.  

Im heutigen Witz zum Schluss gehen wir von der groß angelegten Spionage zurück ins Kleine, in den Alltag der fleißigen Hotlinemitarbeiter. Die weiteren Themen im heutigen Firmenbrief bieten Hilfe im Umgang mit anderen Dreckschleudern des Internets durch Spam-Filter, Hilfe zur Selbsthilfe mit Online-Trainings, Tipṕs zum Arbeiten mit X sowie Neues von Red Hat und Suse.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian