Firmenbrief

20.05.2015

Firmenbrief 114/2015


Liebe Leser,

Aussitzen - das sollte wohl die Parole der Bundesregierung auf den anhaltenden NSA-BND-Skandal sein, aber so richtig funktioniert das nicht. Das in den USA niemals auch nur andiskutierte No-Spy-Abkommen, das im Wahlkampf zur Wählerberuhigung aus der Ideenkiste geholt wurde, nutzt die SPD nun, um den Vorwahlkampf zu eröffnen.

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen ist die Zusammenarbeit mit der „Schutzmacht" auf der anderen Seite des großen Teichs offenbar wichtiger als Aufklärung und Bürgerrechte hierzulande. Die Liste, die von der NSA an BND übermittelt wurde, die Aufschluß über die Spionageziele anhand von rund 40.000 Suchbegriffen geben könnte, soll nach dem Willen der Regierenden jedenfalls nur mit Einwilligung der USA an den NSA-Untersuchungsausschuss übermittelt werden. Zwar sind sich die SPD-Granden über die Vorgehensweise uneins, aber zweifelt hier etwa jemand, dass die Geheimdienstpartner der Weitergabe zustimmen werden? 

Die Österreicher hingegen nehmen hier wenig Rücksicht auf den EU-Partner: Sie haben Anzeige „gegen unbekannt" erstattet und fordern „vollständige Aufklärung" in der Affäre. Ob die Bürgerrechte die Politik im Nachbarland zu so viel Aufklärungswillen motivieren, ist nicht bekannt, aber in der aktuellen Affäre geht es um Politiker selbst und - vor allem - um Wirtschaftsspionage und Großunternehmen. Zwar hat der BND zwischenzeitlich kundgetan, dass die Internetüberwachung für die NSA gestoppt sei, doch österreichische Politiker sind da anderer Meinung. Entgegen der Beteuerungen gehe die Datenspionage nahezu unverändert weiter.

Wirklich erstaunen dürften diese Nachrichten aufmerksame Beobachter kaum. Wer nach Neuigkeiten sucht, muss den Blick in andere Regionen schweifen lassen - zum Beispiel nach Mailand: Auf der Weltausstellung präsentiert ein Nudelhersteller neue Einsatzzwecke für 3-D-Drucker: individualisierte Pasta, nach Wunsch gedruckt. 

Im Linux-Firmenbrief lesen Sie heute, wie Sie mit Open Source ihre eigenen Daten bequem überwachen - dagegen dürften auch Datenschützer keine Einwände haben.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian