Firmenbrief

15.10.2014

Firmenbrief 107/2014


Liebe Leser,

dieser Tage werden die neuen EU-Kommissare nominiert, einige Kandidaten sind umstritten. Mit dabei ist wieder Günther Oettinger, der vom Ressort Energie zum neuen Experten für Digitales ernannt werden soll. In einer Fragestunde vor der Ernennung sollen die Aspiranten ihr Wissen unter Beweis stellen, und Oettinger trat am 29. September zu seiner Prüfung an.

Eher unbestritten sind die Allgemeinplätze, die der designierte Digitalkommissar als Ziele formulierte, darunter der erneut geforderte „Ausbau der Internet-Infrastruktur", den auch die Bundesregierung seit Jahren immer wieder ankündigt oder der Datenschutz in der EU, dem auch Herr Oettinger besondere Aufmerksamkeit verspricht. Sein mangelndes Wissen demonstrierte er mit einer Ausführung zu Risiken der Digitalisierung, als er sich mokierte, „Wenn jemand so blöd ist und als Promi ein Nacktfoto von sich selbst macht und ins Netz stellt, hat er doch nicht von uns zu erwarten, dass wir ihn schützen."  Dass diese Fotos nicht immer freiwillig ins Netz gestellt werden sondern aus der Cloud gestohlen werden, ist dem Christdemokraten offenbar nicht bekannt. In einem aktuellen Fall von Datendiebstahl aus der App Snapchat sind vorwiegend Kinder und Jugendliche von der unfreiwilligen Veröffentlichung privater Fotos betroffen - vielleicht überdenkt der künfigte Digitalkommissar seine Haltung noch.

Lob bekommt Oettinger von unerwarteter Seite: Die Piratenpartei freut sich, dass der Politiker sich einer Live-Anhörung via Twitter stellen will und betrachtet dies als „Ausbau der Demokratie auf EU-Ebene". Dass bei der Zusammenstellung der EU-Kommission jedoch andere Erwägungen wie Parteien-Proporz oder ausreichende Beteiligung der einzelnen Länder eine Rolle spielen, macht die Diskussion um andere Kandidaten deutlich: Mit dem nominierten ungarischen rechtskonservativen Tibor Navracsics sollte nach Junckers Vorstellung ausgerechnet ein Politiker das Kulturressort übernehmen, der in der Orban-Regierung das Presserecht massiv eingeschränkt hat.

Was Bürger in einer Demokratie tatsächlich bewegt und wie Meinungsbildung funktioniert, sehen Sie heute im Witz zum Schluß. Der Linux-Firmenbrief informiert Sie diesmal über Neues beim CoreBiz Virtual Server Base, den geschickten Umgang mit riesigen Datenmengen mit Red Hat, das einfache Auffinden dieser mit Linux sowie mobilen Datenzugang mit Novell.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian