Firmenbrief

16.07.2014

Firmenbrief 104/2014


Liebe Leser,

waren Sie schon mal auf der Webseite des Linux Journal? Ja? Dann sind Sie wahrscheinlich als „Extremist" eingestuft und somit relativ weit oben auf der Beobachtungsliste der NSA.

Nein, der NSA-Skandal ist immer noch nicht ausgestanden, auch wenn unsere Regierung dies schon vor langer Zeit verkündet hat. Dass mehr oder weder jeder davon betroffen sein dürfte, klingt zunächst recht vage, und so kann sich der Durchschnittsanwender mit Schulterzucken anderen Themen widmen. Sieht es anders aus, wenn es konkret wird? Beispielsweise, wenn Sie als Leser von Open-Source- und Linux-Themen auf der „Extremisten"-Liste landen?

Reporter von NDR und WDR haben gemeinsam mit IT-Experten, wie Jacob Applebaum, Teile des Quellcodes entschlüsselt und berichten, dass nicht nur die Betreiber des TOR-Servers unter direkter Überwachung stehen. Verdächtig sind hiernach beispielsweise alle, die Suchbegriffe wie „linux", „USB", „Secure Desktop", „IRC" oder „Truecrypt" eingeben. Diese offenbar suspekte Aktion löst nach den Xkeyscore-Regeln eine Suche aus, die die IP-Adresse der Person identifiziert. Denn laut der Geheimdienstler ist das ein „Mechanismus, der von Extremisten auf Extremistenforen" genutzt wird.

Wer nun dachte, dass dieses nachgewiesene Ausspionieren von Normalbürgern dazu führen müsste, dass die Bundesregierung ihren Standpunkt zu Edward Snowden überdenkt, sieht sich getäuscht. Neue Erkenntnisse oder Petitionen hin oder her - Snowden hat keine Aussicht auf Asyl in Deutschland. Der Bundestag sagt auch im Juli 2014 „Nein".

Wenn Sie sich weiter über so gefährliche Dinge wie Linux und Open Source informieren möchten und vor den Konsequenzen nicht zurückschrecken, lesen Sie den Linux-Firmenbrief auf eigenes Risiko. Sie befinden sich auf den XKeyscore-Listen zumindest in guter Gesellschaft.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian