Firmenbrief

19.03.2014

Firmenbrief 100/2014


Liebe Leser,

der Linux-Firmenbrief erscheint heute zum hundertsten Mal - damit begleiten wir seit dem Jahr 2006 IT- und Open-Source-Geschichte. Ein neues Kapitel beginnt ab Herbst im Internet: Die US-Regierung will ein Stück Verantwortung und Kontrolle abgeben, ab September 2015 sollen sich andere um die Aufgaben von ICANN kümmern, bislang unter der Herrschaft des US-amerikanischen Handelsministeriums.

Ob dies auch eine Folge des NSA-Skandals ist, bleibt offen. Erfreut zeigt sich jedenfalls die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, Neelie Kroes über die „historische Entscheidung" und verspricht aktive Mitarbeit. Wer da alles mitarbeiten wird und wie die Selbstverwaltung aussehen wird, ist durchaus spannend, bei all den Begehrlichkeiten, die das Internet so bietet. Anschauungsmaterial für die unterschiedliche Auslegung der Freiheit im Netz gibt es weltweit reichlich. So zum Beispiel will der türkische Regierungschef Erdogan Youtube und Facebook abschalten, damit die mißliebigen Mitschnitte von Gesprächen nicht mehr so leicht zu den Bürgern gelangen. In der Ukraine wird ukrainischen Sendern der Saft abgedreht, und über die Medienvielfalt in Italien seit Berlusconi ließe sich auch trefflich streiten. Wer bei den Diskussionen im künftigen ICANN Mäuschen spielen darf, kann sicher viel zum Thema Meinungs- und Medienfreiheit im Internet erfahren.

So viel sich über die Jahre auch bewegt in der IT - eine Konstante bleibt: Wie in all den Jahren zuvor verspricht auch der aktuell beauftragten Datenminister der deutschen Regierung einen zügigen Ausbau der Datenautobahnen. Das Versprechen ist hier übrigens im doppelten Sinne auszulegen: Dobrindt meinte, dies solle bis 2080, äh, bis 2018 geschehen. Wir bleiben dran - wenn möglich, bis 2080.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian