Firmenbrief

18.07.2006

Web 2.0 - Eine Neuauflage der Dot-Com-Blase?


Web 2.0 - Eine Neuauflage der Dot-Com-Blase?

Web "two-dot-oh" ist in aller Munde - aber was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff? Und welchen Nutzen haben wir davon?

Die Geschichte des heute populären Internets begann mit der Erfindung des ersten Webbrowsers "Mosaic". Dienste die vorher nur schwer zugänglich waren (Gopher, E-Mail, Netnews) bekamen eine attraktive, grafische Oberfläche. Mit den ersten, statischen, Webseiten war das World Wide Web (WWW) geboren. Zu dieser Zeit waren viele Nutzer der ersten Webbrowser technisch versiert und stellten auch eigene Seiten ins Netz. Später kamen immer mehr Nutzer hinzu, welche lediglich die bestehenden Informationen nutzten, aber nicht selbst Inhalte produzierten. Heute würde man dies als Web 1.0 bezeichnen.

Mit einer stetig wachsenden Anzahl von Seiten wurde es immer schwerer, die gewünschten Inhalte zu finden. Suchmaschinen wie Yahoo oder Google bieten die Möglichkeit, im Netz zu recherchieren. Diese Stufe kann als Web 1.5 angesehen werden.

Web 2.0, als bisher letzte Stufe, geht noch einen Schritt weiter. Hier wird versucht, die "Nutzbarmachung der kollektiven Intelligenz", wie es Tim O'Reilly bezeichnet, umzusetzen. Die Anwender selbst sollen in Projekten Ihr Wissen zusammentragen und im Web veröffentlichen. Beispiele hierfür sind die Online-Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org), die Bildersammlung Flickr (http://flickr.com/), das Beziehungs-Netzwerk OpenBC (http://www.openbc.com/) oder die beliebten Blogs, quasi Online-Tagebücher. Die Idee (des Unternehmers) ist es, einen möglichst interessanten Dienst bereitzustellen und die Nutzer (Community) füllen den Dienst mit Leben. Böse Zungen sprechen hier vom "Aal-Prinzip": Andere arbeiten lassen.

Auch aus technischer Sicht bieten sich mit Web 2.0 interessante Entwicklungen. Die spektakulärste dürfte wohl AJAX (Asynchronous JavaScript and XML) sein, basierend auf Open Source und Freier Software. An sich ist diese Technologie nicht neu, die geschickte Kombination und die Schaffung von Toolkits macht es aber so erfolgreich. Populäre Beispiele für die Anwendungsbereiche von AJAX sind zum Beispiel Google Earth (http://earth.google.de), aber auch Entwicklungen wie die Open-Source-Collaboration-Lösung Zimbra (http://www.zimbra.com). Hiermit wird es möglich, komplexe Anwendungen im Browser ablaufen zu lassen, unabhängig vom Betriebssystem.

AJAX bietet sich aber auch im kleinen an, beispielsweise um die Suchfunktion auf der Firmenwebseite zu verbessern. Die sogenannten "Live"-Suchfunktionen, aus Apples MacOS X oder in Windows Vista, lassen sich so auf der Webseite nachbilden. Schon beim Eintippen des Suchbegriffes werden die Suchergebnisse angezeigt.

Um auf die
Titelfrage "Web 2.0 - Neuauflage der Dot-Com-Blase?" zurückzukommen: Wie auch schon bei zahlreichen Unternehmen der Ära "New Economy" bleibt derzeit offen, wie mit Web 2.0 nun Geld verdient werden kann. Zahlreiche pfiffige Ideen und Konzepte bieten Anregungen und verändern das Denken und die Surfgewohnheiten der Anwender. Wie schon in der Vergangenheit werden nach dem "Gründerboom" einige wenige Großkonzerne den Markt übernehmen: Kennen Sie den früheren Großkonzern AEG? Selbstverständlich. Kennen Sie den "Großkonzern" AEG des Internet heute? Amazon / EBay / Google.