Firmenbrief

17.07.2013

Firmenbrief 92/2013


Liebe Leser,

wie faszinierend die Möglichkeiten sind, mittels Internet andere auszuspionieren, wissen wir nicht erst seit dem Fall Snowden. Professionelle Ausspäher schöpfen die Datenflut bis zum Exzess ab, aber auch Lieschen Müller und Hänschen Muster lieben den Blick in das Intimleben der Mitbürger.

An mehr oder minder exklusive Testpersonen vergeben treibt die Google-Brille deutsche Medienmacher zu Handständen, um das neue „Must Have" auf der Nase zu tragen. Herr Diekmann kann sich nun darauf berufen, dass die Neugier kombiniert mit dem Drang, Erfahrenes zu Veröffentlichen, bei seinem Berufsbild unverzichtbar ist. Nicht nur für Orwell-Leser ist es doch etwas gruselig, dass nun einer der Testbebrillten eine Verhaftung live miterlebt und dank Google-Brille auch gefilmt hat. Prompt wurde dieses Filmchen mit mehr als 200.000 Aufrufen innerhalb kürzester Zeit zum Renner - die Aufzeichnung eines Golfspiels vom Vortag wollten nur 800 Leute sehen. Der Brillenträger Chris Barrett selbst bemerkt - scheinbar erstaunt - dass den Leuten gar nicht klar war, dass sie gefilmt werden. Über die anschließende Veröffentlichung des Films im Internet dürften die Beteiligten noch mehr überrascht sein.

Wir leben im goldenen Zeitalter für Voyeure; wenn all die Dokudramen und Realityshows im TV nicht reichen, sorgen Live-Kameras im Internet für Nachschub. Facebook trägt - wie üblich - sein Scherflein bei und ermöglicht mit seiner neuen „Power-Suche" Graph Search jedem Privatspion, das soziale Netz nach immer ausgefeilteren Kriterien zu durchforsten. Ob sie wissen wollen, wer in Ihrer Stadt gern ins Kino geht, wer die Bücher von Dan Brown liest oder tagsüber im Cafe um die Ecke sitzt - sofern die Person dies pflichtbewusst in Facebook mitteilt, können Sie dies mit wenigen Mausklicks recherchieren.

Um die enorme Informationsmenge zu illustrieren, die heutige Spione sammeln, gibt es von Open hier einen - übrigens politisch völlig inkorrekten - Vergleich zwischen Datensammlungen zu pre-Internetzeiten und aktuell.

Wie einfach sich diese Datenmengen und damit der benötigte Speicherplatz verringern ließe, erfahren Sie in unserem Witz zum Schluss. Außerdem dabei: Neues zu RedBiz, mobiles Drucken, einfacher Programmieren mit Red Hat Open Shift Enterprise und ein Workshop zur Open-Source-Groupware Zarafa.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian