Firmenbrief

17.04.2013

Firmenbrief 89/2013


Liebe Leser,

auch wenn wir Gefahr laufen, das Thema Datenschutz stark zu strapazieren, das Internet weckt nahezu täglich neue Begehrlichkeiten bei Behörden, Geheimdiensten, Politikern, Firmen.

Die Regelungswut unserer Gesetzgeber dient dabei häufig weniger dem Schutz der Anwender, sondern vielmehr den Möglichkeiten, diese Daten auf verschiedenste Weise zu nutzen. Ein weiteres, aktuell diskutiertes Gesetz betrifft die sogenannten Bestandsdaten. Nach den Vorstellungen der Behörden dürfen Polizei und BKA hiernach bei den Telekommunikationsanbietern abfragen, wem ein Mobilfunkanschluß gehört . Die Abfrage geht aber noch weiter: Die Beamten können sich auch die Pin besorgen, die Passwörter des E-Mail-Postfachs oder die dynamische IP-Adresse, unter der das Handy sich im Web einbucht. Das Mobilgerät kann so auch beispielsweise zur Wanze umfunktioniert werden.

Einen kleinen Schritt weiter sind die USA: Hier will das FBI die Kommunikation per Chat und Mail in Echtzeit überwachen. Hierzu müssen Anbieter wie Dropbox oder Google künftig Hintertüren in die Verschlüsselung einbauen, damit die Überwacher ihr Vorhaben auch umsetzen können. Unsere Telekommunikationsanbieter wiegeln bei den Regelungen der Bestandsdatenabfrage gern ab, dass PINs und Passwörter in der Regel verschlüsselt sind und gar nicht zur Verfügung stünden. Dies gilt jedoch nicht für die PUK, also die Nummer, mit der sich die PIN aushebeln lässt. Bleibt abzuwarten, wann auch die deutschen Strafverfolger nach US-amerikanischem Vorbild auf die Idee kommen, die Verschlüsselung durch die Hintertür auszuhebeln.

In einem Wahljahr sollte der Einfluß der Bürger auf die Politik etwas mehr Gewicht bekommen, Lobbyarbeit im Netz hilft hoffentlich etwas. Einen Beitrag hierzu will übrigens der neu gegründete Verein zum Schutz der digitalen Identität leisten, im Web zu finden unter www.wakeupinternet.com.

Einen Nachtrag zum „Lex Google", das wir im letzten Firmenbrief vorgestellt hatten, haben wir im Witz zum Schluß, außerdem in einem weiteren Nachtrag den passenden Link zur vorigen Ausgabe.

Viel Spaß beim Lesen wünscht,

 

Ihre
Sophie Bulian