Firmenbrief

20.02.2013

Firmenbrief 87/2013


Liebe Leser,

statt Open Gov Data bleibt nur GovData - das ist das traurige Ergebnis eines Projekts von Bund und Ländern, das auf der diesjährigen CeBIT in Hannover mit öffentlichkeitswirksamem Getrommel vorgestellt werden soll; 2013 ist schließlich Wahljahr. Wenn es dann heißt „Verwaltungsdaten für jedermann", wird dies mit den Stichworten „Bürgernähe" und „Transparenz" vermarktet werden.

Und wäre dies denn nicht auch wünschenswert? Schließlich werden mit Steuergeldern die  Informationen beispielsweise zum Artenschutz, zur Entwicklungshilfe, zur Flugsicherheit, zu Wetterdaten, öffentlich geförderten Projekten und vielem mehr gewonnen. Diese Daten sind sicher interessant für viele Bürger. Mit der nun online gegangenen Plattform bleibt es für die meisten schwierig bis unmöglich diese Quellen einzusehen, geschweige denn, diese zu nutzen. Statt die Daten unter offene Standards und Definitionen zu stellen, wie dies beispielsweise in USA oder Großbritannien geschehen ist, werden diese Informationen weitgehend unter deutsches Verwaltungsrecht gestellt. Den meisten Behörden soll zudem freigestellt bleiben, ob und welche Daten sie zu der Plattform beisteuern wollen.

In so genannten Community-Workshops, organisiert vom Bund unter Führung des Bundesinnenministeriums, sollten sich Organisationen und Aktivisten an der Entstehung des Portals beteiligen. Doch hier ist die Enttäuschung nun groß: In einem gemeinsamen offenen Brief erklären die Open Knowledge Foundation, die Digitale Gesellschaft, der Chaos Computer Club und das Open Data Network, warum sie die Plattform in ihrer jetzt veröffentlichten Form für „nicht akzeptabel" halten.

Trotz dieser Bedenken wirbt die Webseite mit Schlagworten wie „vernetzte und transparente Verwaltung". Bleibt abzuwarten, was die Bürger von diesen „Verwaltungsdaten für alle" halten. Es ist schließlich Wahljahr.

Im Gegensatz zu dieser „Closed-Source-Geschichte" lesen Sie auch in unserem heutigen Linux-Firmenbrief über Software mit offenen Lizenzen; im Witz zum Schluß kommen aber auch weniger offene Programme zur Erwähnung.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian