Firmenbrief

17.10.2012

Tipps vom LIS-Service: Heute: Solid State Disks unter Linux


Frage an den Service:

 

Sind Leistung und Durchhaltevermögen von Solid State Disks, kurz: SSDs, unter Linux im Gegensatz zu herkömmlichen Festplatten besser oder schlechter und vor allem wodurch unterscheiden Sie sich?

Antwort vom LIS-Service:

SSDs haben kurze Zugriffszeiten und hohe Datentransferraten. Dadurch sind Rechner mit SSD deutlich reaktionsschneller als solche mit herkömmlicher Festplatte. Wenn Sie Ihr Linux auf die Besonderheiten von SSDs abstimmen, können sie Lebensdauer und Performance der schnellen Massenspeicher steigern. Kurz zum Unterschied einer HDD: Während bei der klassischen Festplatte die Daten auf der magnetisierbaren Oberfläche des Speichermediums gespeichert werden, arbeiten Solid State Disks (SSD) mit Flash-Speichern, sie haben keine Mechanik und sind dadurch wesentlich schneller, robuster und langlebig. Die Werte sind durchaus vergleichbar mit denen von Festplatten. Da Solid State Disks ohne Mechanik auskommen, arbeiten sie geräuschlos, sind leichter und haben einen geringeren Stromverbrauch. So wiegen 2,5"-SSDs etwa fünfzig Gramm und damit sind sie etwa halb so leicht wie Festplatten. Ihre Leistungsaufnahme liegt bei etwa einem Watt.

Betriebssysteme sollten die SSDs idealerweise per TRIM-Befehl informieren, wenn der Anwender Daten löscht. Unterbleibt das, hält der  SSD-Controller die Daten weiterhin für relevant, bis sie überschrieben werden. Wenn er später weitere Daten zum Schreiben erhält, muss er diese wertlosen Daten einlesen und zusammen mit den neuen Daten schreiben. Diese unnötigen Schreibvorgänge kosten Leistung.

Aktuelle Windows-Versionen melden freigegebene Bereiche kurz nach dem Löschen bzw. Verwerfen (Discard) von Dateien. Linux beherrscht das ebenfalls, nutzt die „Online Discard"- Funktion aber nicht automatisch, da dabei die Leistung der SSD einbrechen kann. Beim jüngeren „Batched Discard", das aktuelle Linux-Distributionen von Haus aus unterstützen, schickt der Kernel nicht dauernd kleine Trim-Aufforderungen, sondern informiert die SSD nur, wenn er über ein Kommando wie fstrim /mnt/point/ dazu aufgefordert wird.

Man sollte diesen Befehl daher gelegentlich manuell für jedes Dateisystem aufrufen oder alle paar Tage per Cronjob ausführen lassen.

Wer seine Daten verschlüsselt ablegen will, sollte vor dem Kauf einer SSD prüfen, ob diese die Daten transparent komprimiert. Aber bitte beachten: Verschlüsselte Daten lassen sich kaum komprimieren. Wer seine Daten verschlüsseln will, sollte daher entweder eine SSD kaufen, die nicht transparent komprimiert oder eine SSD verwenden, die selbst verschlüsselt.

Das beste Dateisystem für SSDs ist derzeit Ext4. Viele Hinweise zur vermeintlich idealen Konfiguration  von SSDs, die man im Web findet, sind für aktuelle SSDs unter Linux-Distributionen nicht mehr relevant oder nur für spezielle Einsatzgebiete sinnvoll. Bei einigen ersten SSDs musste man die Partitionen so ausrichten, dass sie bei bestimmten Sektoren anfangen. Aktuelle Linux-Distributionen erledigen das automatisch. Bei aktuellen SSDs ist dieser Aspekt ohnehin nicht mehr allzu wichtig. Die gelegentlich zu findende Empfehlung, das Journal von Ext4 zu deaktivieren, reduziert zwar die Menge der geschriebenen Daten etwas, erhöht aber die Gefahr von Datenverlusten.