Firmenbrief

19.09.2012

Firmenbrief 82/2012


Liebe Leser,

Amazon weiß, was und wie lange E-Book-Leser lesen, wo sie Lesezeichen setzen oder ob sie ihr Buch nach der Hälfte aus der Hand legen. Apple weiß, welche Musik ihre i-tunes-Kunden hören. Die Telekom weiß von ihren Entertain-Kunden, welche Programme sie anschauen, wann Sie umschalten und was sie aufzeichnen.

Die Nutzer scheint kaum zu interessieren, wie gläsern sie sind. Ebenso uninformiert oder gleichgültig sind viele, dass die großen Anbieter bestimmen, welche Informationen sie wo und wann zu Gesicht bekommen. Apple sagt, welche Apps und welche Inhalte den i-Phone-Besitzern zur Verfügung gestellt werden und welche eben nicht. Durch die angeblich so komfortable „persönliche" Suche schränkt Google das Gesichtsfeld der Suchenden im Internet ein, in vielen Ländern filtert der Anbieter seine Inhalte nach politischen Vorgaben. Facebook bestimmt, welche Fotos im sozialen Netz erlaubt sein sollen und welche den moralischen Ansprüchen der US-Amerikaner zuwider laufen. Interessiert diese Zensur die Nutzer?

Derzeit kocht das Thema in den Medien hoch, da ein provozierendes Video für blutige Unruhen und Tote verantwortlich gemacht wird. Die Frage wird gestellt, ob Youtube bzw. dessen Eigentümer Google das Video aus dem Netz nehmen sollte. Wohlgemerkt: Diskutiert wird, ob sie es SOLLEN. Hingegen scheint kaum Diskussionsbedarf darüber zu bestehen, ob sie es tun DÜRFEN. Die Frage ist längst nicht mehr, ob, sondern vielmehr, was zensiert werden darf.

Wie sähe das Internet aus, wenn die marktbeherrschenden Unternehmen nicht von westlich-demokratischen Staaten geprägt wären sondern uns die Moralvorstellungen einer uns (noch) fremde(re)n Kultur aufzwingen würden? Gäbe es einen Aufschrei, wenn in sozialen Netzwerken Gesichter nur noch verhüllt abgebildet werden dürften? Wären Proteste zu erwarten, wenn die Bundesliga-App ausgewählte Spielergebnisse verschweigen müßte? Wo liegt die Schmerzgrenze?

Selbstverständlich versuchen auch wir, unsere Leser durch gezielte Themenauswahl zu beeinflussen - zugunsten von Open Source. Verheimlichen tun wir das selbstverständlich nicht, wir sprechen bzw. schreiben heute ganz offen über die neue Version von CoreBiz Base und Paketverwaltung unter Ubuntu. Verständnis für fremde Kulturen wollen wir heute im Witz zum Schluß wecken.


Ihre

Sophie Bulian