Firmenbrief

18.07.2012

Firmenbrief 80/2012


Liebe Leser,

das mediale Sommertheater in diesem Jahr hat insbesondere hinsichtlich Datenschutz einiges zu bieten: Die Neuauflage des Meldegesetzes, ACTA als CETA durch die Hintertür, und auch der alte Bekannte Facebook ist dabei, der aktuell Mitglieder zum Denunzieren missbrauchen will und Chatprotokolle auswertet.

Wie eine Live-Satire wirkt das Geschehen um das neue Meldegesetz: In rekordverdächtigen 57 Sekunden stimmte der Bundestag dem Gesetzesentwurf zu, nach dem Meldeämter die Daten der Bürger künftig verkaufen dürfen, in bestimmten Fällen selbst wenn diese dem ausdrücklich widersprochen haben. In geübt sonorem Ton gab sich der CSU-Chef Seehofer empört, falls daran etwa Parteigenossen beteiligt gewesen sein sollten. Und überhaupt will es keiner gewesen sein, schließlich hatten die meisten zum Zeitpunkt der Abstimmung das Halbfinalspiel Deutschland-Italien aufmerksam verfolgt. Untypisch scheint da das  Erstaunen des CSU-Manns Uhl über die „bizarre" Kritik am Meldegesetz. Vermutlich ein einmaliger Vorgang, dass nun der Bundestag darauf hofft, dass die Opposition das plötzlich so mißliebige Gesetz im Bundesrat scheitern läßt.

Doppeltes Spiel befürchten auch die ACTA-Gegner: Schien es doch, als sei die umstrittene Regelung zum Urheberrecht in Europa zuletzt nach massiven Protesten in Europa vom Tisch, liegt nun ein neues Abkommen namens CETA auf dem Tisch der Kommission. Auch dieser soll wieder im Geheimen verhandelt werden und ist laut Einschätzung von Juristen nahezu deckungsgleich mit ACTA.

Schlag auf Schlag liefert Facebook wieder Munition für die Datenschützer: Nun sollen die Anwender dazu herhalten, die Anonymität ihrer Facebook-Freunde auffliegen zu lassen mit der Antwort auf die Frage: „Ist dies der echte Name deines Freundes?". Einigermaßen rumgesprochen hat sich vielleicht mittlerweile auch unter den naivesten Anwendern, dass die Mitteilungen, die auf der eigenen Seite veröffentlicht werden, nur von Befugten gelesen werden. Etwas überrascht reagiert aber vielleicht doch der eine oder die andere, wenn klar wird, dass der Datenkrake auch die Chats per Suchmaschine durchforstet . Dies automatisierte Scannen der scheinbar privaten Kommunikation soll laut Facebook-Sicherheitschef Sullivan der Verbrechensprävention dienen.

Auch der heutige Linux-Firmenbrief liefert Anleitung, wie Sie automatisiert Rechner durchsuchen - allerdings datenschutztechnisch völlig unzweifelhaft zu dem Zweck, die eingesetzte Hardware zu identifizieren. Mit Facebook befaßt sich auch der heutige Witz zum Schluß, weitere Themen sind Sicherheit bei Linux und Red Hat Cloud Forms.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian