Firmenbrief

16.05.2012

Firmenbrief 78/2012


Liebe Leser,

nicht zuletzt dank der Popularität der Piratenpartei ist die Diskussion ums Urheberrecht in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Begleitet von schlagzeilenträchtigen Prozessen um Plattformen wie kino.to oder den selbsternannten „Kim Dotcom" von megaupload.de  verschwimmen dabei gelegentlich die Grenzen zwischen Reformwillligen und Raubkopierern - die Debatte erhält einen hysterischen Unterton.

IT-Interessierte und Entwickler verfolgen seit Jahren die Auswüchse, die falsch verstandenes Urheberrecht annehmen kann. Patenttrolle kaufen Firmenmäntel und treiben in den USA so manches Unternehmen in den Ruin mit ihren Klagen um Trivialpatente. Unvergessen auch der Versuch des ehemaligen Linux-Distributors Caldera bzw. SCO mittels einer Klage gegen Novell mehr oder weniger die gesamte Linux-Entwicklung als geistiges Eigentum für sich zu beanspruchen. Dieser Versuch scheiterte, dennoch hinterlassen solche Auswüchse einen schalen Geschmack bei der netzaffinen Gemeinde.

Wie in den meisten Diskussionen geht es nur einer verschwindend geringen Minderheit  darum, geistiges Eigentum abzuschaffen. Ebenso wie es auf Seiten der Urheber nur wenigen darum geht, Jugendliche pauschal zu kriminalisieren, die im Internet Musik hören. Sowohl in den Medien wie auch in der Politik besteht der Hang zu vereinfachen - Schlagzeilen lassen sich halt wesentlich besser mit extremen Inhalten verkaufen. Schade, wenn sich Künstler dann - auf einer Internetseite von der ZEIT initiiert - mit einer Stellungnahme zu einer Diskussion instrumentalisieren lassen, die so gar nicht stattfindet. Eine entsprechende Gegendarstellung von Aktivisten ließ denn auch nicht lang auf sich warten: http://wir-sind-die-buerger.de/

Rein juristisch ist ein Vervielfältigen übrigens kein Diebstahl. Das Abschreiben und den eigenen Namen drunterschreiben hingegen - wie bei manch einer Doktorarbeit geschehen - überschreitet da schon eine andere Grenze. Dies hat offenbar der Journalist Hajo Schumacher unter dem Alias Achim Achilles mit Texten von Jens Karraß getan. Der beliebte Talkshow-Gast Schumacher meinte übrigens in einer Gesprächsrunde zum Thema auf der Frankfurter Buchmesse, dass „File-Sharing ein Kompliment für den Autor" sei. Es scheint, der Autor Karraß fühlt sich nicht geschmeichelt, wenn der Journalistenkollege die von ihm geschriebenen Texte unter eigenem Namen in einem Buch verwertet

Die aktuelle Diskussion um das Urheberrecht zeigt jedenfalls vor allem, dass es höchste Zeit ist, die Gesetze den Realitäten anzupassen. Wichtige Voraussetzung ist dabei, dass sich alle Beteiligten über die Sorgen, Nöte und Fakten informieren, bevor sie Stellung beziehen.

Wie starre Standpunkte auf andere Weise zu seltsamen Ergebnissen führen, lesen Sie im heutigen Linux-Firmenbrief im Witz zum Schluß. Außerdem haben wir einen Beitrag zur Mobilität im Firmennetz, zu reichhaltigem Business Breakfast und zu Lebenszeichen im Linux-System.

 

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihre
Sophie Bulian