Firmenbrief

16.11.2011

Firmenbrief 72/2011


Liebe Leser,

in Österreich gibt es einen „Scheiß-Internet-Preis", und die Verleihung fand vor wenigen Tagen in Wien statt.

Eigentlich heißt der Preis "Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten" und der - vermutlich unfreiwillige - Namenspatron gab einer Künstlergruppe mit einer Schimpftirade im Jahr 2008 die Idee, hanebüchene Statements gegen das Internet auszuzeichnen. Der ORF-Programmdirektor wetterte über „das Scheiß-Internet", in das sich „junge Leute verkriechen". Die Jury aus Österreich mußte nicht lange suchen, um würdige Preisträger für 2011 zu finden:

Einer von zwei Gewinnern waren auch die selbsternannten Retter der Internetgesellschaft, die Hackergruppe Anonymous mit ihrer österreichischen Vertretung. Die Jury findet den Nutzen der Aktivitäten dieser „Datenrüpel" zumindest zweifelhaft (siehe auch Linux-Firmenbrief 68/2011), hierfür in Kombination mit den zahlreichen Verstößen gegen die Hackerethik wurde die Vereinigung nun ausgezeichnet. Logisch, dass sich die Übergabe des Preises an die anonymen Aktivisten schwierig gestaltete.

Auf der Liste des Preisgerichts standen auch deutsche Politiker und Amtsträger, darunter die deutschen Länderinnenminister Schünemann (Niedersachsen) und Jäger (Nordrhein Westfalen), die im Sommer Facebook-Parties verbieten wollten. Ein weiterer Nominierter war der Papst bzw. Joseph Ratzinger mit „seinem Betrieb", der zwar das Internet für seine Zwecke nutzt, den die Jury jedoch gleichzeitig verdächtigt, den fairen Wettbewerb im Netz mittels Teufelaustreibungstrojaners zu behindern. Im Januar 2010 hatte der oberste Geistliche der katholischen Kirche das Internet der "Verschmutzung des Geistes" bezichtigt, seit Juni wirbt der Vatikan aktiv um die digitale Gemeinde.

Den Linux-Firmenbrief-Lesern und -Autoren wären sicher noch weitere würdige Preisträger eingefallen... Heute widmen wir unsere Beiträge jedoch anderen Beobachtungen des Netzwerkverkehrs sowie neuen Hilfsmitteln in der Firmenadministration.

Viel Spaß beim Lesen wünscht


Ihre

Sophie Bulian