Firmenbrief

16.08.2011

Firmenbrief 69/2011


Liebe Leser,

was haben Innenminister Friedrich und die Hackergruppe Anonymous gemeinsam? Sie wollen die Internetgemeinde vor sich selbst schützen und wählen dazu wenig durchdachte Wege.

Während der eine die Anonymität im Internet abschaffen möchte, wollen die anderen die Nutzer vor Selbstentblößung schützen. So sehr sich die Urheber dieser Sommerlochmeldungen unterscheiden, kann man doch Gemeinsamkeiten finden. Sowohl der eine wie die anderen halten die Anwender offenbar für unreif und unmündig, sehen Zwang als probates Mittel um das Internet ihren Vorstellungen anzupassen. Gerade die Gratwanderung zwischen Datenschutz auf der einen Seite und Meinungsfreiheit auf der anderen liefert hier jede Menge Stoff für Diskussionen.

Diametral zu Friedrichs Forderungen stehen beispielsweise Forderungen der Datenschützer an Facebook, biometrische Daten zu löschen  - von der Machbarkeit mal ganz abgesehen. Wollte man die Ideen des Politikers umsetzen, wäre es doch nur konsequent, wenn jeder Nutzer eindeutig biometrisch identifiziert werden könnte, am besten per eingescanntem Ausweis samt Fingerabdruck und RFID-Chip. Weil aber viele Nutzer das Meiste freiwillig selbst preisgeben, meinen einige Anonymous-Mitglieder, diese „Deppen" zum Selbstschutz zwingen zu müssen. Die medienwirksam angekündigte Attacke auf Facebook hat jedoch nicht viel gemeinsam mit dem selbst erklärten Gruppenziel der Meinungsfreiheit im Netz (siehe auch der Beitrag im Linux-Firmenbrief 68).

Höchste Zeit, dass verantwortlicher Umgang mit dem Internet in Lehrplänen zum Pflichtfach wird. Nicht nur viele Herren und Damen Politiker befinden sich da „Im Kreis der Ahnungslosen" und könnten Nachhilfestunden gebrauchen.

Facebook liefert übrigens auch die Steilvorlage für den heutigen Witz zum Schluß, aber das soziale Netz ist natürlich nicht das einzige Thema im heutigen Linux-Firmenbrief.

Viel Spaß beim Lesen wünschst


Ihre

Sophie Bulian