Firmenbrief

22.09.2010

Alte Hardware neu im Einsatz



Die Abschreibungsdauer von Rechnern hat sich im Laufe der Zeit von fünf auf immerhin nur noch drei Jahre reduziert. Grund dafür sind die rasante Entwicklung der Hardware und der rasche Alterungsprozess durch fortschreitende Anforderungen moderner Software. So ist ein sechs Jahre alter Server für aktuelle Virtualisierungs- und Konsolidierungsanforderungen mangels Hardware-Unterstützung ungeeignet. Zudem ist der Hunger an Plattenplatz sowohl von Anwendern als auch Programmen stark gewachsen. Wo vor sechs Jahren ein RAID5-System mit drei 250 GB Platten eine Nettokapazität von 500 GB ergab - und damit völlig ausreichend dimensioniert war - ist die aktuelle Erwartung im Terabyte-Bereich angelegt.

Aus Sicht der IT ist eine Erneuerung nach sechs Jahren relativ spät, aus dem Blickwinkel eines typischen Mittelständlers mit 150 Mitarbeitern ist es aus Kostengründen jedoch völlig nachvollziehbar. Schließlich hat die Hardware mal viel Geld gekostet - sei sie nun abgeschrieben oder nicht. Und hier ist auch der Knackpunkt: Warum die alte, aber noch völlig funktionstüchtige Kiste nicht weiter verwenden? Für die Wiederverwendung alter Hardware spricht die meist gute Qualität von Hardwarekomponenten und die Tatsache, dass es immer Aufgaben gibt, die man auf einem dezidierten Server haben will und weder in einem Blade, noch in einer Virtualisierungsumgebung für gut aufgehoben hält.

Eine solche Aufgabe ist beispielsweise das Backup. Ein Backup-Server mit Platten-Backup und nachgelagerter Bandsicherung oder Sicherung auf Wechselplatten sollte immer einzeln stehen. Am besten gar in einem anderen Raum, denn wenn es brennt, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass wenigstens das Backup erhalten bleibt. Virtualisieren sollte man das Backup eh nicht: Wenn die Virtualisierung nicht mehr läuft, dann kann man seine Daten quasi von Hand aus dem Array des Virtualisierungs-Hosts rauskratzen.

Vor der Installation eines neuen Systems müssen die Hardware-Voraussetzungen geklärt sein: Ist genug Hauptspeicher verfügbar? Reicht der Plattenplatz? Sind genug Netzwerkkarten eingebaut? Werden weitere Controller (z. B. SCSI) benötigt? Wenn einer der Parameter nicht erfüllt ist, dann ist zu prüfen, wie teuer ein Ausbau gegenüber einer Neubeschaffung ist. Hierbei sollte man bedenken, dass der vorhandene Server ebenfalls etwas älter ist. Will man mehr als ein Gerät ausmustern, bietet sich hier vielleicht eine Konsolidierung an. Der Hauptspeicher aus zwei Geräten kann zusammengeführt werden, um eine ausreichend leistungsfähige Maschine zusammenzusetzen. Bei dem Plattenplatz sind ein paar neue Platten rasch gekauft und auch nicht teurer als in einem Neugerät. Und muss der alte Server irgendwann doch weichen, dann baut man die neuen Platten wieder aus und steckt sie da an, wo die Software dann laufen soll.

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, dann kann das Gerät seiner neuen Bestimmung übergeben werden. Aber Vorsicht: Werden Platten wieder verwendet, so sollten diese unbedingt zuvor "genullt" werden. Einfach ein neues Dateisystem darauf zu installieren reicht nicht, um Spuren früherer Verwendung zu entfernen. Vor allem, wenn das neue-alte Gerät umzieht und evtl. damit in andere administrative Obhut fällt. Und noch ein weiterer Gedanke sollte in die Überlegungen einfließen: Das Gerät ist alt und kann technisch bedingt jederzeit ausfallen. Für diesen Eventualfall sollte vorgesorgt werden, damit die alte Hardware nicht zum Datengrab wird.

Neben dem beliebten Backup-Server wären weitere potentielle Anwendungsszenarien alter Rechner ein Mail-Archiv-Server, ein Monitoring-Server oder ein Dokumenten-Management-System, die ebenso getrennt und oft sogar mit extra Zugangskontrollen ausgerüstet werden sollen. Für diese Anwendungsbereiche sind die Anforderungen an die Hardware meist moderat, so dass sich Altgeräte gut dafür anbieten.