Firmenbrief

24.08.2010

Firmenbrief 57/2010


 

Liebe Leser,

das Sommerloch-Thema dieses Jahr liefern nicht entlaufende Krokodile oder entwischte Schlangen in Badeseen, der „Star" dieses Jahr ist ein Suchmaschinenbetreiber.

Google Street View beherrscht die Schlagzeilen. Auch wenn Beinahe-Monopolisten im Open-Source-Umfeld quasi automatisch misstrauisch beäugt werden, hat das lautstarke Google-Bashing der letzten Wochen nun eher den gegenteiligen Effekt: aus teilweiser Zustimmung wird Genervtheit und schließlich trotzige Sympathie für den IT-Giganten. Verbraucherschützer und Politiker wittern die Gelegenheit, sich zu profilieren und jede Boulevardzeitung übte sich in den letzten Wochen in empörten Tiraden über das Suchmaschinenunternehmen. Die Debatte war dabei durchaus nicht immer mit Fakten belastet. Beispielsweise ist das so gescholtene Über-den-Zaun-gucken per Kamera bei anderen Diensten längst an der Tagesordnung, so zum Beispiel beim Anbieter Map & Route, ohne dass ein Aufschrei durch die Bevölkerung gegangen wäre. Ein Aufreger sind angeblich zu kurze Fristen, obwohl diese ja nicht wirklich ablaufen. Tatsächlich verspricht Google, die angemahnten Häuser auch jederzeit nach Start zu pixeln - nur VOR dem Start geht das zwangsläufig nicht endlos.

Selbstverständlich macht es Sinn und ist längst überfällig, den Datenschutz in Zeiten des Internet neu zu formulieren und zu ergänzen, wie das nun geschehen soll. Den Anlaß dazu hätten doch längst andere Datenverletzungen geliefert. Doch im Vergleich zum Sommerlochgetöse um Googles Street View nehmen sich andere Mahnungen als leises Flüstern im Windkanal aus. Dabei gibt es gerade im Umfeld des Datenschutzes ausreichend Fälle, die wesentlich mehr mediale Aufmerksamkeit verdient hätten. Die Volkszählung 2011, der elektronische Gehaltsnachweis ELENA, oder die Lieferung der europäischen Finanzdaten in die USA sind nur einige aktuelle Beispiele. An diesen Fällen jedoch sind auch diejenigen politisch beteiligt, die jetzt so lauthals gegen Googles Street View Stellung beziehen - bei anderen Gelegenheiten sorgen sie sich wesentlich weniger um die Intimsphäre der Bürger. Ein Schelm, wer Übles dabei denkt.

Mehr Informationen zu Datentransparenz der anderen Art, beispielsweise mittels Monitoring, liefert der heutige Linux-Firmenbrief. Ach ja, und Google sorgt auch für den Witz zum Schluß.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Sophie Bulian