Firmenbrief

20.07.2010

Vom FatClient zum VirtualClient - der logische Weg?


 

In den letzten Jahren entwickelte sich die Virtualisierung von Servern zum sicherlich wichtigsten Thema, wenn es um fortschrittliche IT-Architekturen geht. Die Verfügbarkeit von extrem leistungsfähigen Servern zum günstigen Preis in Verbindung mit Virtualisierungsansätzen adressiert gleich mehrere aktuelle Themen der IT:

  • Flexibilität bei Leistungsverteilung über Anwendungen hinweg

  • Reduzierung des Energieverbrauchs durch bessere Nutzung der Rechner (Green IT)

  • vereinfachte Möglichkeit der Serverkonsolidierung

  • Ausfallsicherheits-Szenarien

  • Speicher-Virtualisierung

  • und viele weitere Vorteile

Das Unternehmen VMware hat das Thema mit seinen Produkten stark geprägt und dominiert den Markt deutlich. Die anderen Produkte und Anbieter wie XEN (Citrix), Hyper-V (Microsoft) sowie etliche Nischenprodukte teilen sich den Rest des Marktes. Ein interessanter Neuzugang mit großer Zukunft ist KVM (Kernel based Virtual Machine), das von Red Hat vorangetrieben wird, aber von global Playern wie IBM bereits massiv in großen Installationen eingesetzt wird.

VMware nutzt seine starke Situation im Wettbewerb und adressiert mit Virtual Clients nun das nächste Thema mit der gleichen Technologie. Durch die Virtualisierung vom kompletten Client erhält der Ausdruck „Server Based Computing" (SBC) eine neue, erweiterte Bedeutung: War SBC früher im wesentlichen gleichbedeutend mit „Terminal-Server Betrieb" - der von Citrix stark dominiert wurde -, so ist heute auch Desktop Virtualisierung zu SBC zu zählen, da sämtliche Clientfunktionen serverseitig umgesetzt werden. Dem gegenüber steht die klassische Terminalserver-Technik, die Applikationen auf zentralen Servern mit einheitlichem Betriebssystem installiert und diese den Anwendern an den Endgeräten mitsamt der grafischen Oberfläche bereit stellt.

Virtual Clients/Virtual Desktop Infrastructure (VDI) ist ein Ansatz, bei dem jeder einzelne Client - also eine definierte Hardwareplattform mit installiertem Betriebssystem und Anwendungen - auf einem virtualisierten Server betrieben wird. Pro Arbeitsplatz läuft daher mindestens eine Virtualisierungsinstanz auf dem Server. Da in diesem Szenario nicht nur Anwendungen, Betriebssystem und Daten auf dem Server liegen, ist lokal nicht einmal mehr ein ThinClient erforderlich, vielmehr reicht ein sogenannter „Zero Client", an den das Netzwerk (LAN), Monitor und Maus/Keyboard angeschlossen werden können. Viele nennen daher Zero-Clients auch scherzhaft „Kabelhalter".

Die von VMware, aber auch anderen Herstellern angebotene Architektur wird als die Lösung für die bekannten Probleme mit bisherigen (Fat)Client-Ansätzen verkauft:

  • zentrale Verwaltung der Anwendungen

  • Client ohne lokale Hardware = keine Hardwaredefekte

  • geringere Verwaltungskosten

  • einfaches, zentrales Management

  • einfacher Zugriff für Administratoren

  • Multimedia

Was häufig vergessen wird, sind die mit diesem Konzept verbundenen Konsequenzen: Es kommen erhebliche Lizenzkosten für die Virtualisierungsplattform auf einen zu. Außerdem muss diese doppelt ausgelegt werden, um die erforderliche Ausfallsicherheit zu gewährleisten, denn ein Ausfall bedeutet den kompletten Stillstand der gesamten Client-Infrastruktur. Failover-Systeme für VMware und Co. sind verfügbar, kosten jedoch einiges an zusätzlichen Lizenzkosten.

Der Vorteil der individuellen Clients hat zudem den Nachteil, dass diese auch separat verwaltet werden müssen. Es entsteht schnell ein Zoo von virtualisierten Clients, die beständig aktualisiert und gewartet werden müssen. Ganz zu schweigen von dem erhöhten Ressourcenbedarf im Vergleich zu einer klassischen Terminal-Server Lösung: Jeder Client ist ja eine komplette Installation auf dem Virtualisierungsserver. Und das bedeutet, dass für jeden Client nicht nur der gesamte Plattenplatz eines Clients notwendig ist, sondern zudem auch noch die Ressourcen Hauptspeicher und CPU für jeden virtuellen Client einmal verbraucht werden. Selbst mit forschrittlichen Deduplizierungstechniken ist das ein harter Brocken für die Hardware, die entsprechend kostspielig ausgebaut werden muss.

Welchen Vorteil haben denn virtualisierte Clients gegenüber einem Terminal-Server-Ansatz? Einerseits laufen bei den Terminalservern alle Anwendungen auf einem Betriebssystem, so dass eine Abgrenzung kritischer Anwendungen nur schwer möglich ist. Eventuelle Kollisionen oder kritische Speicherauslastungen erfolgen hier stets zu Lasten aller anderen Anwender des gleichen Terminal-Servers. Allerdings erlaubt ein intelligentes Load-Balancing diese Folgen minimal zu halten. Bei der Desktop-Virtualisierung laufen alle Anwendungen nur innerhalb der virtuellen Maschine und nehmen damit keinen Einfluss auf Stabilität der anderen Desktops. Hier ist genau abzuwägen, ob so ein Fall überhaupt vorliegt.

Weiterhin ist die Desktop-Virtualisierung im Multimedia-Bereich im Vorteil. Es haben sich Protokolle etabliert, die sowohl die Sound als auch die 3D-Ausgabe des virtuellen Clients an den Zero-Client weiter leiten können. Auch Video-Ausgabe, Flash und andere aktive Inhalte können damit zum Zero-Client transportiert werden. Damit ist Multimedia wohl der ganz starke Bereich für eine Client-Virtualisierung, denn 3D ist im Terminalbereich bisher nicht performant möglich und auch Flash-Videos o.ä. sind bisher ein großes Manko im Terminalbetrieb.

Die LIS AG empfiehlt daher vor einer Komplettumstellung auf Virtual Clients zu prüfen, ob wirklich jeder Client individualisierbar sein muss. Meist versucht das IT-Management, die Zahl der Clientvarianten auf wenige zu reduzieren, um den Verwaltungsaufwand in Grenzen zu halten. Hier bietet sich der Einsatz von Terminalservern an, eine ausgereifte Technologie, die deutlich einfacher und günstiger zu haben ist. Wo erforderlich, können Terminalservices auch mit Virtual Clients kombiniert werden.