Firmenbrief

16.03.2010

Firmenbrief 52/2010


Liebe Leser,

Barack Obama macht sich stark für den Schutz geistigen Eigentums, Amazon bekommt das „Ein-Klick-Patent" und eine kleine Musikbühne in München zahlt 11.047 Euro an die GEMA für das Jahr 2009. Diese drei scheinbar so unterschiedlichen Meldungen stehen für den schwierigen Spagat zwischen Innovation, Urheberrechten und Kreativität.

Vor allem mittels des ACTA-Abkommens will der US-Präsident den Rechteinhabern weitreichenden Schutz verschaffen. In der Europäischen Union ist das Vertragswerk umstritten, und auch die Free Software Foundation (FSF) sieht durch die hierin angedrohten juristischen Gegenmaßnahmen ernste Probleme für Computernutzer weltweit im Allgemeinen und Freie Software im Besonderen. Das „Einkaufswagen-Patent" von Amazon - mit Hilfe von Cookies werden Daten gespeichert und damit der Online-Kauf erleichtert - dient seit Jahren Software-Patentgegnern als populäres Beispiel dafür, welche Gefahren Anwendern und Unternehmen durch Softwarepatente drohen. In etwas anderer Form leidet die kleine Live-Bühne in München unter wenig durchdachtem Urheberschutz - unabhängig von tatsächlichen Einnahmen erhebt die GEMA Gebührenpauschalen für öffentlich abgespielte Musik. Eine Gebührenpraxis, die bundesweit zahlreiche Live-Bühnen gefährdet. Mit mehr als 100.000 Unterschriften erreichten die Gegner, dass sich im Frühjahr ein Ausschuss des Bundestags mit den Zwangsgebühren befasst.

Egal, ob EU, FSF oder GEMA-Gegner - die Schutzwürdigkeit geistigen Eigentums stellen die Aktivisten nicht in Frage. Wenn der Schutz einzelner jedoch die Freiheit und Kreativität vieler massiv einschränkt oder gar in der Existenz bedroht, muss das System in Frage gestellt werden. So wie das Internet manche Probleme erst schafft, so erleichtert es andererseits den Zusammenschluss vieler einzelner, die auf die Weise ein Gegengewicht zu finanzkräftigen Lobbyisten schaffen können.

Auch wenn sich das tatsächliche Alter des Internet nicht so genau bestimmen lässt - bereits ein Vierteljahrhundert hat der Domain Name Service, kurz: DNS, auf dem Buckel, mit dem die Endungen .com, .edu oder .org eingeführt wurden. Ein kleiner historischer Rückblick auf Youtube zeigt, wie man sich das im Jahr 1969 mit dem Internetz so vorstellte. Der Linux-Firmenbrief schlägt mit einem Link zu einem brandaktuellen Video den Bogen in die Gegenwart.

Viel Spass beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian