Firmenbrief

15.12.2009

Firmenbrief 49/2009


Liebe Leser,

die unerfreulichen Konsequenzen der Lobbyarbeit der Industrie in Politik und Verwaltung bekommen Verbraucher oft zu spüren.

Ob es um das Scheitern der Ampelkennzeichnung für Lebensmittel geht, die Pharmaindustrie trotz klammer Gesundheitskosten in Deutschland einzigartig hohe Preise für Medikamente hält oder IT-Giganten Aufträge der öffentlichen Hand ohne Ausschreibung erhalten. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist eine Bestellung des schweizerischen Bundesamts für Bauten und Logistik (BBL) von Microsoft-Lizenzen im Wert von 42 Millionen Schweizer Franken. Ein Verbund von 18 Open-Source-Unternehmen hat bei Gericht Beschwerde eingelegt und kämpft nun darum, dass die öffentliche Verwaltung derartige Aufträge unternehmensneutral öffentlich ausschreibt (siehe http://www.osor.eu/news/ch-no-settlement-between-swiss-government-and-open-source-suppliers).

Auch in Spanien ereignet sich derzeit Unerhörtes: Linux und Open Source hatte hier in den letzten Jahren ein breites Terrain erobert, und in den Schulen waren zumindest Dual-Boot-Computer an der Tagesordnung. In einer überraschend eingerufenen Pressekonferenz rudert die spanische Verwaltung zurück und verkündet, dass ab 2010 die Schüler mit Microsoft-Rechnern ausgestattet werden sollen.

Freie Projekte, meist recht junge Linux-Unternehmen und vergleichsweise kleine Open-Source-Anbieter können Industriegiganten mit professionellen Lobbyisten  meist nur wenig entgegensetzen. Die Free Software Foundation ist eine der wenigen Organisationen, die auch auf politischer Ebene aktiv sind. Angewiesen auf Spenden und freiwillige Mitarbeiter, will die Stiftung nun gezielt um weitere Aktivisten werben, die für freie Software Partei ergreifen und Gegenwind zur Industrielobby machen.

Immer mehr Unternehmen begreifen, welche Vorteile in der Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern liegen. In unserem heutigen Firmenbrief stellen wir ein Beispiel aus dem Kultur- und Bildungssektor vor.

Viel Spass beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian