Firmenbrief

16.09.2008

Fragen zu Linux - der LIS-Service antwortet



An dieser Stelle berichten regelmäßig die klugen Köpfe, die an unserer Service-Hotline sitzen.

Frage an unsere Hotline: Wenn ich ein neues E-Mail Konto erstellen möchte, sei es beipielsweise bei Google Mail oder bei meinem Provider, so habe ich immer zwei Optionen, meine E-Mails abzurufen: "IMAP" und "POP3". Was ist der Unterschied?

Antwort von unserem Service: Der Unterschied zwischen IMAP und POP3 besteht in der unterschiedlichen Handhabung Ihrer Mails. Um diese Frage beantworten zu können, klären wir zunächst die Begriffe.

POP3

Das Post Office Protocol kurz: POP, ist ein Übertragungsprotokoll zur Übermittlung Ihrer E-Mails zwischen dem Mail Server und Ihrem Mail-Client. Der Zusatz 3 erklärt, dass dies die dritte Generation (Version) dieses Protokolles ist.

Die Datenübertragung zwischen dem Mail-Client und dem Mail Server wird über Kommandos gesteuert. Für die Verbindung mit dem Mail-Server ist keine ständige Verbindung zu dem Internet nötig. Stattdessen wird die Verbindung bei Bedarf geöffnet, um die E-Mails von dem Mail Server auf Ihren Client zu transportieren. Sobald die Datenübertragung abgeschlossen ist, kann/wird die Verbindung zum Mail-Server wieder beendet.

Das POP3 Protokoll ist in seiner Funktionalität sehr beschränkt und erlaubt nur folgende Funktionen:

- Auflisten Ihrer E-Mails auf dem Mail Server
- Abholen Ihrer E-Mails auf dem Mail Server
- Löschen Ihrer E-Mails auf dem Mail Server

Nicht möglich sind weitere Funktionen wie beispielsweise der Zugriff auf unterschiedliche Mail-Ordner oder -boxen während einer Sitzung, hierarchische Darstellung der Mailboxen sowie die Vorselektion von E-Mails ist mit diesem Protokoll nicht möglich.

Mit der Zeit wurde aus der Not eine Tugend: Fehlende Funktionalitäten wurden auf den Client ausgelagert.

Wollen Sie jedoch diesen Funktionsumfang server-seitig nutzen, müssen Sie das IMAP-Protokoll verwenden.

IMAP

Das Kürzel IMAP steht für Internet Message Access Protocol, ein Anwendungsprotokoll, das Ihnen den Zugriff auf Ihre E-Mails ermöglicht, außerdem können Sie damit die empfangenen E-Mails in Ihrem Postfach auf dem Mail-Server verwalten.

Ein Ziel bei der Entwicklung des IMAP Protokolls war es, dass Sie so auf Ihre Mailboxen und Nachrichten zugreifen können, als ob die Daten lokal auf Ihrem Rechner gespeichert wären. Hierbei stellt Ihr Mail-Client an den Server nur Anfragen nach aktuell benötigten Informationen. Das läuft in etwa so ab:

- Sie möchten den Inhalt eines Ordners sehen: Der Client holt sich eine aktuelle Nachrichtenliste des jeweiligen Ordners vom Server.

- Sie möchten eine E-Mail lesen: Der Client holt die benötigte E-Mail und lädt diese auf Ihren Client.

Der wesentliche Unterschied zu POP3: Die E-Mails bleiben auf dem Server und werden auch dort verwaltet. Da alle Daten weiterhin auf dem Server sind, haben Sie immer den gleichen und aktuellen Datenbestand in Ihrer Mailbox, auch wenn Sie von unterschiedlichen Clients an unterschiedlichen Orten darauf zugreifen. Das lokale Speichern von Nachrichten wird unnötig.

Alles, was Sie in Ihrer Mailbox machen, geschieht auf dem Mail-Server, also auch Ordner anlegen, Nachrichten verschieben oder löschen, Einsehen mehrerer Mail-Ordner gleichzeitig. Gängige Server bieten zudem noch Funktionalitäten wie Nachrichten sortieren (Filtern) oder Urlaubsbenachrichtigungen.

Eine weitere praktische Anwendungsmöglichkeit ist die Verwendung von zentralen Mail-Ordnern, der so genannte 'Shared Folder'. Hier können Sie einen oder mehrere Mail-Ordner an Kollegen freigeben bzw. für die Arbeit im Team einrichten. Der Haken: Sie müssen immer online sein, um all diese Funktionalitäten voll zu nutzen. Aber auch dieses Problem kann Ihr Mail Client für Sie lösen. Einige Mail-Clients halten lokale Kopien der Mails auf Ihrem Client, damit sie auf diese auch im Offline-Modus zugreifen können. Sobald Sie die Internetverbindung wieder herstellen, werden die Daten wieder mit dem Mail-Server abgeglichen (synchronisiert).