Firmenbrief

18.03.2008

Firmenbrief 28/2008


Liebe Leser,

eine Vorreiterrolle bei Open Source und offenen Standards will die Europäische Kommission übernehmen. Erst vor kurzem verdonnerte sie Microsoft zu einer Strafe in Rekordhöhe wegen fortgesetzt wettbewerbswidrigem Verhaltens. Und jetzt will die Kommission bei neuen IT-Projekten grundsätzlich Open Source Software vorziehen, und erklärt offene Standards für verbindlich. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, zu dem Microsoft sich darum bemüht, das hauseigene Dokumentformat OOXML durch die Internationale Standardisierungs Organisation (ISO) zum anerkannten Standard erheben zu lassen. Ein Status, den das freie Dokumentformat ODF bereits 2006 erreicht hat.

Vom alten Kontinent bläst ein scharfer Wind in Richtung Redmond, und Microsoft versucht dagegenzusteuern. Mit viel Getöse hat Microsoft einmal mehr erklärt, sich mehr öffnen zu wollen und den Zugang zu einigen Dokumentationen für andere Anbieter zu erleichtern. Das gewünschte Presseecho ist nicht ausgeblieben, und so manches Blatt witterte schon die Wende in der Strategie des Softwareanbieters. In der Praxis allerdings stellt sich heraus, dass die Worte den Taten nicht wirklich entsprechen: Wenn Microsoft Protokolle nach dem so genannten "Open Specification Promise" zugänglich macht, heißt das noch lange nicht, dass diese auch ohne Bedenken genutzt werden sollten. Und das Versprechen an die Entwickler, sie nicht mit Patentklagen zu verfolgen ist so eng gefaßt, dass nach Expertenmeinung darauf kein Verlaß ist.
 
Bekanntlich ist das Wort "frei" aus "Freier Software" nicht mit der Bedeutung in "Freibier" gleichzusetzen. Hingegen könnte das Wort "zugänglich" in Microsofts Sinne tatsächlich auf die Vorsilbe "zu" reduziert werden.

Nachrichten zu echten Trendsettern bei Open Source im Sinne der EU finden Sie natürlich wieder im heutigen Linux-Firmenbrief.

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Ihre

Sophie Bulian