Dieses Handbuch wird mit freundlicher Genehmigung von Sebastian Hetze auf den Servern der Linux Information Systems AG gehosted.

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Subsections


Durchführung

Die Installation im Überblick

Die Installation von Linux geschieht in folgenden Schritten:

1.
Booten des Linux-Kernels.
2.
eventuell Laden einer RAM-Disk von einer zweiten Diskette.
3.
Partitionieren der Festplatte, Einrichten einer Swap- und einer oder mehrerer Linux-Partition(en).
4.
Rebooten des Linux-Kernels (Wiederholung von 1. und 2.).
5.
Initialisierung der Swappartition und Erzeugung eines Dateisystems auf mindestens einer Linux-Partition.
6.
Kopieren und Auspacken der Daten vom Installationsmedium auf die Festplatte (die eigentliche Installation).
7.
Minimale Konfiguration des Basissystems durch das Installationsprogramm.
8.
Erzeugung einer Bootdiskette und/oder Installation eines bootfähigen Kernels auf der Festplatte.
Bei diesen Schritten können Sie sich von den Installationsprogrammen der Linux-Distributionen führen lassen.

Herstellung einer Bootdiskette

Wenn Sie sich für ein anderes Installationsmedium als eine Diskettendistribution entschieden haben, müssen Sie sich wenigstens eine Bootdiskette anfertigen, damit Sie den Rechner mit Linux starten können. Bei einigen Distributionen brauchen Sie zusätzlich eine zweite Diskette, die ``Rootdiskette'', auf der die Daten und Programme für die ersten Installationsschritte enthalten sind.

Diese Disketten können Sie selbst erzeugen, indem Sie die entsprechenden Daten von der CD oder einem anderen Datenträger auf leere Disketten schreiben. Die Linux-Distributionen enthalten mehr oder weniger viele Bootdisketten, die jeweils für ein bestimmtes Spektrum der denkbaren Hardwarekonfigurationen vorbereitet sind. Welche Bootdiskette für Ihr System gebraucht wird, entnehmen Sie den Hinweisen in der Installationsanleitung zur Distribution oder entspechenden Dateien, die Sie im gleichen Verzeichnis wie die Images der Bootdisks selbst finden.

Typischerweise haben die Diskettenimages eine Größe von 1474560 Bytes, was genau der Kapazität einer rohen 3,5 Zoll Diskette entspricht. Da die 5 1/4 Zoll Disketten fast vollständig vom Markt verschwunden sind, wird dieses Format von den meisten Distributoren nicht mehr unterstützt. Wenn die Dateinamen mit den Buchstaben .gz enden, sind die Daten komprimiert. In diesem Fall müssen Sie sie mit dem Programm gzip entkomprimieren.

Unter Unix können Sie beispielsweise das Programm dd zum Übertragen der Daten von der Festplatte auf die Diskette verwenden. Wenn Sie nur DOS installiert haben, müssen Sie das Programm kommandorawrite.exe benutzen, um die Daten auf die Disketten zu kopieren. Ein einfacher copy Befehl reicht hierzu nicht aus. Nachdem Sie das Kommando rawrite auf dem DOS-Prompt eingegeben haben, werden Sie nach dem Namen der Datei gefragt, die geschrieben werden soll. Anschließend müssen Sie den Buchstaben für das Ziellaufwerk angeben und die Eingabe mit einem RETURN abschließen. Seien Sie vorsichtig, damit Sie nicht versehentlich auf eine Diskette mit wichtigen Daten schreiben. Eine Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes ist nach dem Überschreiben mit rawrite nicht möglich.

Booten

Wenn Sie den Rechner mit der Linux-Bootdiskette im Laufwerk A: einschalten, erscheinen entweder die Zeichen ``LILO'' und anschließend ein Menü und eine Eingabeaufforderung, oder Sie sehen sofort die Meldung Loading....

Wenn der frisch gestartete Kernel nicht anfängt, Meldungen über die Systeminitialisierung auf den Bildschirm zu schreiben, haben Sie wahrscheinlich eine fehlerhafte Bootdiskette.

Die Meldungen werden schneller geschrieben, als Sie lesen können. Sie können aber den Bildschirm ``zurückblättern'', indem Sie die Tasten SHIFT und PAGEUP gemeinsam drücken.

Sollte der Kernel bei der Initialisierung hängenbleiben, können Sie anhand der Meldungen, die der Kernel auf den Bildschirm geschrieben hat, herausfinden, welche Geräte korrekt erkannt wurden und wo der Fehler aufgetreten ist. Sie finden detaillierte Informationen zum Ablauf der normalen Kernelinitialisierung ab Seite [*] in diesem Buch.

Wenn Ihre Installationsdiskette mit LILO bootet, können Sie dem Kernel eine Kommandozeile übergeben, mit der Sie bestimmte Parameter der Systeminitialisierung verändern können (Bootprompt).

Wenn die Systeminitialisierung erfolgreich abgeschlossen wurde, versucht Linux automatisch, eine RAM-Disk anzulegen. Bei den meisten Distributionen werden Sie dazu aufgefordert, die rootdisk einzulegen, damit Linux die Daten für die RAM-Disk lesen kann.

Nachdem auch dieser Schritt erfolgreich abgeschlossen wurde, erscheint zum ersten Mal der Login-Prompt. Wie Sie sich bei dem nun laufenden Linux-System anmelden können und wie Sie das Installationsprogramm aufrufen, erfahren Sie aus der Begrüßungsmeldung oder aus der Installationsanleitung.

Die Festplatte partitionieren

Nachdem Sie bei der Vorbereitung für die Neuinstalltion Ihres Linux-Systems einen geeigneten Festplattenbereich ausgewählt haben, müssen Sie diesen Bereich zu Beginn der Installation partitionieren. Sie benötigen mindestens eine Partition für das Linux-Dateisystem und eine zweite Partition als Swap-Bereich.

Die Installationsprozeduren der Linux-Distributionen unterstützen Sie bei dieser Aufgabe. Wenn Sie mit dem Partitionierungsprogramm eines anderen Betriebssystems vertraut sind, können Sie die Partitionierung in der Regel auch mit diesem Programm durchführen. Sie müssen in diesem Fall lediglich die Partitionskennung unter Linux ändern, damit das andere Betriebssystem, unter dem Sie die Partitionen eingerichtet haben, nicht versehentlich versucht, auf das Linux-Dateisystem zuzugreifen.

In diesem Buch finden Sie eine ausführliche Beschreibung des Systemprogramms fdisk, mit dem Sie die Partitionierung unter Linux durchführen können.

Jede Veränderung an einer Festplatte, die schon Daten enthält (z. B. eine MS-DOS Installation), kann zum Verlust der Daten führen! Deshalb sollte vor jeder Veränderung an den Partitionstabellen ein Backup aller Daten gemacht werden.

Wenn die Partitionierung abgeschlossen ist, muß der Rechner neu gebootet werden.

Swappartition und Dateisysteme einrichten

Wenn die Festplatte partitioniert und der Rechner neu gebootet ist, kann das Installationsprogramm mit der Einrichtung der Dateisysteme und er Swappartition fortfahren. Bei allen Linux-Distributionen auf dem Markt kann für die Linux-Partitionen nur der Dateisystemtyp EXT2 gewählt werden.

Sie müssen in einem Menü die Festplattenpartitionen selektieren die Sie für die Installation von Linux vorgesehen haben. Alle vorher auf diesen Partitionen gespeicherten Daten gehen bei der Installation des neuen Systems verloren.

Wenn Sie das Linux-Dateisystem über mehrere Partitionen verteilen wollen, müssen Sie zu jeder zusätzlichen Partition das Verzeichnis angeben, an das diese Partition angehängt werden soll.

Sie haben die Möglichkeit, bei der Erzeugung eines neuen Dateisystems die Festplattenpartition auf defekte Blöcke untersuchen zu lassen. Dieser Vorgang ist zeitaufwendig und bei neuen Festplatten eigentlich unnötig. Wenn auf Ihrer Festplatte defekte Blöcke gefunden werden, sollten Sie auf dieses Gerät besser ganz verzichten.

Das Kopieren der Daten

Spätestens dann, wenn das Dateisystem gemacht ist, setzt die interaktive/automatische Installationsprozedur der Distribution ein. Die Installationsprogramme erklären sich selbst.

Sie können verschiedene Serien und einzelne Pakete aus den Serien zur Installation auswählen oder ablehnen. Je nachdem, welche Distribution Sie installieren, erhalten Sie kurze Informationstexte über den Inhalt der Pakete auf deutsch oder auf englisch angezeigt. Bestimmte Pakete sind für die Funktion des gesamten Systems notwendig, deshalb werden sie automatisch installiert.

Achten Sie darauf, daß Sie nicht mehr Pakete zur Installation auswählen, als Ihre Festplatte aufnehmen kann. Wenn Sie mehrere Partitionen benutzen, müssen Sie die einzelnen Dateisysteme so zusammensetzen, daß jede Partition ihren Ast des Verzeichnisbaums aufnehmen kann. Wenn Sie nicht sicher sind, wieviel Platz die ausgewählten Daten belegen, sollten Sie am Anfang lieber auf ein paar Pakete verzichten. Sie können jedes Paket auch zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt installieren.

Konfiguration und Erzeugung der Bootdiskette

Nachdem alle von Ihnen ausgewählten Daten auf die Festplatte kopiert sind, werden bereits durch das Installationsprogramm die wichtigsten Konfigurationen am neuen System vorgenommen. In der Datei /etc/fstab werden die Partitionen eingetragen, auf denen das neue System installiert wurde.

Abschließend wird eine neue Bootdiskette erstellt, mit der Sie das neue System booten können. Alternativ können Sie sich auch durch das Installationsprogramm den LILO Bootloader installieren lassen, mit dem Sie Linux direkt von der Festplatte starten können.

Wenn Sie das neue Linux-System zum ersten Mal gestartet haben, können Sie sich nur als root mit den Privilegien der Systemverwalterin einloggen. Es ist wichtig, daß Sie sich gleich zu Anfang Ihrer Arbeit mit dem neuen System einen eigenen Account einrichten, der mit normalen Benutzerrechten ausgestattet ist. Von da an sollten Sie immer unter diesem Account arbeiten und den root-Account nur dann benutzen, wenn Sie zur Ausführung eines Kommandos tatsächlich die Privilegien brauchen.

Wenn Sie diesen Rat nicht annehmen, verzichten Sie auf eine wertvolle Fähigkeit Ihres neuen Betriebssystems: nur, wenn Sie mit normalen Benutzerrechten arbeiten, kann Linux die unabsichtliche Veränderung oder Löschung von Daten verhindern.

Wenn Sie das C-Entwicklungssystem und die Quelltexte zum Linux-Kernel installiert haben, sollten Sie sich einen neuen Kernel generieren, der genau Ihrer Systemkonfiguration entspricht.


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Das Linux Anwenderhandbuch
(C) 1997 LunetIX