Dieses Handbuch wird mit freundlicher Genehmigung von Sebastian Hetze auf den Servern der Linux Information Systems AG gehosted.

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Datenreisen und reisende Daten

 

Vernetzung, das ist ein großes Thema in der computerisierten Gesellschaft unserer Zeit. Arbeitsplatzrechner werden zu ,,Local Area Networks`` (LAN) zusammengeschlossen, um mit einem gemeinsamen Datenbestand zu arbeiten und um den Informationsfluß in einem Unternehmen oder in einer Organisation schneller und effektiver zu machen. Sogenannte ,,Wide Area Networks`` (WAN) verbinden Rechner und LANs über Gebäudegrenzen hinweg. Im Internet  , dem Netz der Netze, sind einige zigtausend Rechner weltweit 24 Stunden am Tag miteinander verbunden, um Daten und Dienste auszutauschen und sich Arbeit zu teilen.  

Linux ist ein Kind des Internets. Ohne dieses weltweite Computernetzwerk hätte es sich niemals so schnell entwickeln können. Wenn es überhaupt entstanden wäre, würde kaum jemand außerhalb des Fachbereiches Informatik an der Universität von Helsinki davon wissen...

In den News, den öffentlichen Nachrichten des USENET, wurde Linux vorgestellt und wird seitdem ununterbrochen diskutiert. Hier werden Fragen von allgemeinem Interesse beantwortet, neue Programme und Versionen angekündigt und Projekte organisiert und koordiniert.

Das Betriebssystem ist längst nicht mehr das Produkt eines einzelnen großartigen Programmierers. Viele fähige Leute weltweit steuern ihren Teil zum Gelingen des großen Projekts bei. Wenige haben sich jemals gesprochen, geschweige denn gesehen. Die private Kommunikation findet mit elektronischer Post - der eMail - statt. Außerdem gibt es offene automatische Postverteiler, sogenannte ,,mailing lists``, mit denen Diskussionen in kleinen Gruppen möglich sind.

Die Verteilung neuer Versionen des Betriebssystems und der Programme geschieht ebenfalls über das Netz. Auf vielen Rechnern, vor allem an den Universitäten, wird ein umfangreicher Bestand an Linux-Software öffentlich angeboten. Diese Daten können mit dem ftp-Tool (File Transfer Protocol) auf jeden Rechner im Internet kopiert werden. Einige Sites bieten ihre Daten über Mailserver an, mit denen es auch den Teilnehmern eines reinen UUCP-Netzwerkes möglich ist, darauf zuzugreifen. Zur Entlastung der internationalen Datenleitungen werden die Linux-Verzeichnisse einiger zentraler ausländischer Server auf vielen Rechnern in der Bundesrepublik automatisch - teilweise täglich - ,,gespiegelt``.

Bei diesen beeindruckenden Möglichkeiten ist der Wunsch naheliegend, an diesem Netzwerk teilzunehmen. Linux hat alle Voraussetzungen für diese Teilnahme von UNIX ,,geerbt``. In den UNIX-Systemen ist die Vernetzung ein uraltes Thema. Datenfernübertragung und Kommunikation, wie sie auf DOSen mit ,,Mailboxen`` und ähnlichen Programmen nur auf Kosten der gesamten übrigen Funktionalität möglich ist, ist bei Linux einfach ein Teil des Betriebssystems. Als Multiuser-Multitasking-System verwaltet Linux die serielle Schnittstelle ohne spürbaren Aufwand.[*]  

Das ,,Protokoll``, auf dem die Vernetzung der großen UNIX-Rechner heutzutage beruht, heißt TCP/IP (Transmission Control   Protocol/Internet Protocol). Es erlaubt direkte Verbindungen zwischen allen an das Internet angeschlossenen Rechnern. Über diese Verbindungen wird (elektronische) Post direkt vom Absender zum Zielrechner geschickt, mit ihnen können Dateien zwischen Rechnern kopiert werden, die tausende Kilometer voneinander entfernt stehen, es können auch einfach interaktive Kommandos auf dem entfernten Rechner ausgeführt und die Ergebnisse lokal ausgegeben werden, indem die Parameter und Inhalte eines Fensters zum lokalen X11-Server übertragen werden. Im Linux-Kernel ist TCP/IP mit Netzwerktreibern für Ethernet, Druckerport und serielle Schnittstellen implementiert. Weitere Treiber, beispielsweise für ISDN-Karten, sind bereits so weit entwickelt, daß sie möglicherweise beim Erscheinen des Buches bereits im Kernel enthalten sind.

Einen eigenen Rechner oder ein lokales Ethernet ,,Connected To The Internet`` zu betreiben, ist allerdings sehr kostspielig. Der Preis für einen Internet-Anschluß erreicht leicht einen vierstelligen Betrag. Außerdem fällt einiger Verwaltungsaufwand an, der in einem öffentlichen Netz sehr ernst genommen werden sollte.

Der volle Luxus einer eigenen TCP/IP-Verbindung, gar einer Standleitung, in das Wide Area Network ist zur Befriedigung der realen Bedürfnisse zum Glück in der Regel nicht notwendig. Selbst in Firmen und Organisationen, die ein Local Area Network auf Ethernet-Basis betreiben, ist die direkte Anbindung an das Internet vor dem Hintergrund günstiger Alternativen meistens nicht lohnend.

In diesem Kapitel werden Werkzeuge und Methoden vorgestellt, die die Nutzung aller Internet-Services und die Einbindung des eigenen Rechners bzw. LANs in ein weltweites Computernetzwerk zu wesentlich günstigeren Konditionen erlauben.

Eine wachsende Zahl von Rechnerbetreibern bietet für Privatleute, Firmen und Organisationen Benutzeraccounts an, mit denen die volle Internetfunktionalität auf diesen Rechnern genutzt werden kann. Die Kosten für so einen Account betragen nur einen Bruchteil einer eigenen Internetverbindung und der Verwaltungsaufwand fällt komplett weg. Linux bietet die Möglichkeit, mit sogenannten Terminalprogrammen interaktiv auf solchen Rechnern zu arbeiten. Ergebnisse und Dateien können mit Dateitransferprotokollen vom Internetrechner auf den lokalen Rechner kopiert werden.

Zwei interessante Netzwerkdienste - eMail und News - können über ein älteres typisches UNIX-Netzwerk, das UUCP-USENET, mit einem minimalen Kosten- und Verwaltungsaufwand bezogen werden. Die dazu notwendigen Programme des UUCP-Pakets von Ian Taylor sind in allen größeren Linux-Distributionen enthalten. Das Netz privater UUCP-Rechner in der Bundesrepublik ist bereits heute sehr feinmaschig. Weil es sich bei den UUCP-Verbindungen nicht um Standleitungen handelt, haben prinzipiell alle so vernetzten Rechner die Möglichkeit, ohne zusätzlichen technischen Aufwand mehrere Rechner anzuschließen. Deshalb sind die Chancen, einen UUCP-Rechner im Nahbereich zu finden, der bereit ist, als Einwahlpunkt zu dienen, ziemlich groß.



 
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Das Linux Anwenderhandbuch
(C) 1997 LunetIX